Der Weg zum Bild

 

 

Über das technische Zeichnen und die Photographie kam ich zur Malerei. Daher erscheint es verständlich, dass zunächst die „Farben“ schwarz und weiß in meinen Bildern vorherrschten. Auch die Formen, die ich nach wie vor verwende, fanden hier ihren Ursprung. Dazu war/ist mir wichtig, in den Bildern eine Reduzierung des Gesehenen auf einfache geometrische Formen vorzunehmen und doch eine - wenn auch oft verfremdete - Wiedererkennung zu zulassen.

Erst die vermehrte Beschäftigung mit der Verfremdung von Photographien – auch und gerade farblich – führte dazu, dass der Umgang mit Farben einen immer breiteren Raum in den neuen gemalten Bildern einnahm.

Zu dem Endprodukt - Bild auf Leinwand – gelange ich über mehrere Wege:

Zuerst und vielfach über den Weg des eigenen Photos, das immer weiter reduziert und abstrahiert wird; dann über den Weg der konkreten Bildkonstruktion nach eigenen Vorstellungen und Wahrnehmungen aus der Umwelt.

Ein dritter Weg wird anhand von Zitaten (nicht Kopien) fremder Gemälde verfolgt, wobei auch hier die Reduzierung als Mittel einer nun veränderten Umsetzung des vorhandenen Themas, ermöglicht wird.

In Verfolgung der Annahme der Gestalttheorie, dass der Mensch anhand seiner Erfahrung in seiner Wahrnehmung immer gewillt ist, eine „geschlossene oder die einfachste Gestalt“ zu sehen, werden in den Bildern mindestens zwei Betrachtungsweisen angeboten, was zu einer mehr oder weniger starken Verunsicherung dieser Wahrnehmung führen soll. Es kommt selten zu einer Eindeutigkeit, beim Betrachter aber zu dessen eigener mentalen Konstruktion von Wirklichkeit.

In meinem Bemühen, Spannungen zu erzeugen, werden deshalb Winkel, Flächen und Farben so eingesetzt, dass dem Betrachter unterschiedliche Wahrnehmungsmöglichkeiten offen bleiben.

Gestaltet werden - trotz flächiger und monochromer Malweise räumliche Illusionen. Die Gestalt gebenden Flächen werden scharf konturiert (im Sinne der hard edge Malerei); Gegenständliches wird auf einfache geometrische Formen reduziert, Farben nach ihrer „Gewichtung“ und räumlicher Wirkung eingesetzt.

Allerdings hat auch die Auseinandersetzung mit der Lehre des Zen einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die Bildgestaltung. Aufgrund dieser Philosophie, dass keine Leere existiert, werden die Flächen - ob farbig oder weiß - gegeneinandergesetzt. So ist es durchaus gewollt, dass relativ große "leere" Flächen zu einem Teil der Komposition werden und damit zu Spannungen führen, die den Betrachter provozieren sollen.

Dies steht teilweise im Gegensatz zur traditionellen europäischen Kompositionslehre, die beschreibt, dass es infolge einer einseitigen Anordnung von Bildelementen dazu kommen kann, dass das Werk einseitig zu "schwer" ist und die Komposition "kippen" kann.

Auch die generelle Bildgestaltung - das Reduzieren von "Gesehenem" auf die geometrischen Grundformen - entwickelt sich aus der Philosophie des Zen. Zen legt den Schwerpunkt auf die Einfachheit der Lebensgestaltung und die ständige Auseinandersetzung mit der Umwelt.

Ich möchte den Betrachter meiner Bilder provozieren, sich mit den einfachen Strukturen der Welt zu beschäftigen und vielleicht anzufreunden.

Im Grunde stehen die so aufgebauten Bilder in der Tradition der geometrischen Abstraktion. Sie werden erweitert um den Versuch, auf der zweidimensionalen Ebene die „Dritte Dimension“, als eine Illusion von Räumlichkeit anzubieten.

In der weiteren Auseinandersetzung mit der Bildgestaltung kommt es nun zum Einsatz veränderter Bildkomponenten.

In diesem Bereich werden nicht mehr nur die harten und eher graphischen Kanten (hard-edge) eingesetzt.

Formen verändern sich, Farbübergänge werden fließend gestaltet. Allerdings bleibt der Einsatz der Farben so erhalten, dass nach wie vor eine Wahrnehmung räumlicher Tiefen gewollt und möglich ist.

Dies auch bei den Werken, die auf eine eindeutige Formgebung verzichten.

Die Bilder bekommen selten einen Titel, weil es mein Ziel ist, den Betrachter zu animieren, sich mit dem „Inhalt“ des Bildes auseinander zu setzen, ohne dass über einen Titel schon Vorgaben gemacht werden.

Bei Bildserien werden die einzelnen Werke nach dem Entstehungszeitraum und der gemeinsamen Themenstellung nummeriert.

Albert Wagner